Kleid
2012–2014

Stoff, Garn, Reißverschluss, Blut, Kot, Wachs, Ruß, Tinte, Frucht- und Gemüsesäfte, Spülmittel, Tee, Aufstrich, Fett, Ei, Jod, Marmelade, Tonerde,Filzstift, Schlüpfer-Abdruck, Safran, Nasentropfen, Balsamessig, Rotwein,
Schlamm, Kaliumpermanganat,
Pesto, Kräutersaft, Nasentropfen 85 cm (Schulter-Saum)

»(...) Die Auseinandersetzung mit Licht als Glanz des Göttlichen kommt ebenfalls in Angela Böhmes Werk „Kleid“ aus dem Jahr 2014 zum Tragen. Über einer Schneiderpuppe hängt ein ärmelloses, kurzes Kleid, deren goldenes Gewebe das einfallende Licht reflektiert und dadurch Helligkeit ausstrahlt. Bereits in der Antike galt Gold – Sonne und Licht symbolisierend – als Quelle kosmischen Lebens. Es wurde vorrangig für rituelle Gegenstände und Schmuck verwendet, später auch als Zahlungsmittel. Vor allem seine Beschaffenheit und Seltenheit prägten die Bezeichung „Sonnenglanz“.

Seit 2012 entwickelt Angela Böhme zunehmend Objekte, für diese sie die Bezeichnung „Kunstobjekt-Kleidungsstück“ prägte – so auch „Kleid“. Bis auf den Saum sind alle Nähte per Hand genäht. Zahlreiche runde Stoffreste sind zudem auf das Kleid aufgebracht, auf denen farbige Flecken zu sehen sind, die sich u. a. aus Wachs, Farbe und erstmals auch aus Exkrementen bilden. Ihnen gehen Materialstudien voraus, in denen die Künstlerin mit verschiedensten Substanzen, Pigmente und mit Ekel konnotierten Objekten als Arbeitsmaterial experimentiert, um insbesondere immer noch heute gesellschaftlich tabuisierte Themen ans Licht zu holen – beispielsweise die Ausscheidungen des Menschen. Angela Böhme setzt die beim Betrachter Widerwillen hervorrufenden Flecken mit dem kostbar anmutenden Gewebe des Kleides in Kontrast – das körperlich-materielle Irdische wird dem reinen Göttlichen gegenübergestellt. Bewusst spielt sie dabei mit unserer Wahrnehmung beim Betrachten – von Ablehnung bis zum Gefallen finden. Darüber hinaus eröffnet sich nahezu spielerisch auch der Reiz des Dekorativen: Wie Wasser- oder Seifenblasen scheinen die runden Stoffreste in die Höhe zu steigen und wirken dabei fast schwerelos. (...)«

Anna Schinzel, Kunsthistorikerin